Besuch im Staatsarchiv Gotha

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Für so manchen Genealogen im Gothaer Land ist das Staatsarchiv Gotha schlichtweg ein Mekka, gerade Neuanfängern ist es aber noch nicht unbedingt ins Bewußtsein gerückt. Insofern war es an der Zeit, dass die Regionalgruppe „Gothaer und Eisenacher Land“, dem nun in das Perthesforum umgezogenen Staatsarchiv einen Besuch abstattet. Der Umzug war notwendig geworden, da u.a. aus brandschutztechnischen Gründen die Sicherheit der Archivalien im Schoss Friedenstein nicht mehr komplett gewährleistet werden konnte. Ausserdem waren die Platzverhältnisse sowie die Arbeitsbedingungen für das Archivpersonal und die Benutzer nicht mehr optimal. Mit dem Umzug in das Perthesforum (der generalstabsmäßig durchgeplant sein musste) sind die meisten dieser Probleme nun behoben.

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Da freut es umso mehr, dass für das neue Domizil des Staatsarchives Gotha nicht nur an die Archivalien sondern auch an die Benutzer gedacht wurde. Hiervon konnten sich rund zwanzig Forscherfreunde aus nah und fern zunächst im geräumigen Lesesaal überzeugen.

Viele von uns waren das erste Mal im Staatsarchiv Gotha, denn so mancher Genealoge forscht zunächst nur mittels der Kirchenbücher nach den Vorfahren oder Namensträgern. Dass es dann doch noch eine Menge mehr an Archivalien gibt, die für die Familienforschung interessant sein dürften, davon berichtete Herr Lutz Schilling, Archivdirektor des Staatsarchives Gotha während seiner eineinhalbstündigen Führung. Der Zuständigkeitsbereich (Archivsprengel) des Staatsarchives Gotha deckt heute den Raum Nordwestthüringen ab. Vor 1920 war es vorrangig für das Herzogtum Sachen-Gotha sowie dessen Vor- und Nachfolgestaaten zuständig. Das Staatsarchiv wurde bereits mit Gründung des Herzogtums durch Herzog Ernst I. (der Fromme) im Jahr 1640 eingerichtet. Einige Urkunden sind jedoch bereits 1000 Jahre alt.

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Ein für den Familienforscher häufiges Ärgernis wurde von Herrn Schilling aufgeklärt. Das gesuchte Dokument findet sich nicht im Bestand, obwohl es eigentlich da sein müsste. Ein Archiv sammelt jedoch nicht aktiv wie ein Museum oder eine Bibliothek. Von den, durch die Behörden  angebotenen Unterlagen werden üblicherweise auch nur ca. 3 % als archivierungswürdig betrachtet. So sind manche, nach heutigem Verständis interessante Unterlagen eben nicht in den Bestand eines Archivs gelangt. Das ist seit Jahrhunderten gelebte Praxis im Archivwesen. So finden sich beispielsweise in den Beständen des Oberkonsistoriums Gotha viele Akten zu den Pfarrern, die der Schuldiener sind jedoch fast alle nicht mehr erhalten. Personen der Zeitgeschichte (im positiven oder negativen Sinne) können jedoch relativ sicher sein, dass ihre Steuererklärung auch in 200 Jahren noch verfügbar sein wird. Man weiss ja nie…

Nach dem Vortrag von Herrn Schilling über die Entstehung und Aufgaben des Archives ging es treppab in die heiligen Hallen, sprich in die Magazinräume. So manch ein Forscherfreund bekam große Augen beim Blick auf die Regalbeschriftungen und hätte sich dort am liebsten für die nächsten Tage einschließen lassen. Unbeobachtet wäre er jedoch dank moderner Sicherheitstechnik nicht geblieben. Manch einer kratzte sich am Kopf, warum einige Akten nun in Gotha und nicht in einem anderen Archiv lagern. Dies hat viel mit dem Provinienz-Prinzip zu tun, den Akten werden üblicherweise dort archiviert, wo sie entstanden sind. Da sich die Archivsprengel im Laufe der Jahrhunderte durchaus verändert haben, kommt es zu derartigen geografischen „Ausreißern“. Wer hätte gedacht, dass sich Unterlagen bzgl. des Stiftsamtes Walkenried in Gotha wiederfinden? Für einen kurzen Zeitraum von 1673-1693 war das Stiftsamt Walkenried an Sachsen-Gotha(-Altenburg) verpändet. Der Herzog tauschte in diesem Zusammenhang kurzerhand die Pfarr- und Lehrerschaft aus.

Eine weitere Frage, nämlich die nach der Digitalisierung wurde von Herrn Schilling beantwortet. Die Archivalien werden grundsätzlich sicherungsverfilmt, denn dieses Medium ist auch in 500 Jahren noch ohne größeren technischen Aufwand zu lesen. Bei heutigen Datenformaten (wer hat heute noch ein Diskettenlaufwerk?) kann dies mit Sicherheit nicht gewährleistet werden. Jedoch werden einige Dokumente auf Wunsch in einer eigenen Foto-Werkstatt digitalisiert. Mittlerweile können auch die Benutzer selbst Fotos von den vorgelegten Unterlagen machen oder den hierfür vorgesehenen Buchscanner im Lesesaal nutzen.

Ein uns sehr am Herzen liegendes Thema, die Auswanderung aus dem Herzogtum Sachsen-Gotha konnte ebenso angesprochen werden. Die Archivmitarbeiter haben hierzu bereits ein Spezialinventar angelegt, denn Hinweise über Auswanderungen (ob nach Amerika oder eben nur nach Schwarzburg-Rudolstadt) finden sich in den unterschiedlichsten Akten. Eine Vielzahl von Behörden waren mitunter involviert, so dass sich derartige Akten nicht in einem einzigen Bestand finden. Die AGT hat sich zum Ziel gesetzt, die Auswandererforschung stärker zu forcieren. Sicherlich werden wir deshalb nun häufiger zu Gast im Staatsarchiv sein. Vielleicht können wir so einen Beitrag leisten, die Archivmitarbeiter etwas von diesbezüglichen Anfragen zu entlasten.

Wer allerdings im Staatsarchiv Gotha nach Kirchenbüchern sucht, wird etwas enttäuscht. Hier finden sich nur in Ausnahmefällen (im sog. Hohenlohe-Archiv) diese genealogischen Quellen, meisst aber nur als staatlich verordnetes Duplikat, sprich als Sekundärquelle. Hierfür muss sich der Familienforscher schon um einen Termin im Landeskirchlichen Archiv der EKM in Eisenach bemühen. Derzeit liegen dort die Wartezeiten auf einen Leseplatz bei unglaublichen vier Monaten. Irgendetwas läuft also trotz des Archivneubaus in Eisenach falsch, im Schwesterarchiv Magdeburg klappt das wesentlich besser!

Genealogische Forschung endet jedoch nicht mit der Erfassung der „Friedhofsdaten“ wie Geburt, Heirat oder Tod. Dazu gehören eben auch die kleinen und großen Puzzleteile, die man nur in einem Archiv wie dem in Gotha findet.

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