„Die Thüringer Sippe“

Die Thüringer Sippe

Mitteilungen der „Thüringischen Gesellschaft für Sippenkunde“ 1935-1944

Eine Betrachtung und Erinnerung als Gesamtinhaltsverzeichnis

Bearbeitet und erstellt

von

Peter-Jürgen Klippstein

 

Als Beilage zum Mitteilungsblatt der AGT im Jahre 2008, dem 25 jährigem Jubiläum der Wiedergründung einer genealogischen Gesellschaft in Thüringen

Die „Thüringer Sippe“ wurde zu Beginn ihres Erscheinens, im Jahre 1935, als Beilage zum „Thüringer Fähnlein“ vertrieben. Später gab es wohl auch selbstständige Ausgaben. [1] Kriegsbedingt endete die Publikation im Jahre 1944. Bei Recherchen zu einzelnen Aufsätzen dieser Zeitschrift konnte festgestellt werden, dass in keiner Bibliothek Thüringens (Archive eingeschlossen) eine Gesamtedition vorliegt und somit eine Reihe der darin publizierten Aufsätze der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. [2] Aus den erhalten gebliebenen Beständen mehrerer Archive und Bibliotheken konnte ein fast komplettes Gesamtinhaltsverzeichnis von 1935–1944 mit allen Aufsätzen, Mitteilungen, Buchbesprechungen etc. erstellt werden.

Ein „Gesamtinhaltsverzeichnis“ wurde schon einmal veröffentlicht. Der Heinz Reise Verlag Göttingen legte 1953 in „Der Schlüssel“, die Bearbeitung von Otto Steinwede vor [3], das in erster Linie die genealogischen Aufsätze beinhaltet (mit Register der Verfasser und ihren Beiträgen sowie einem Ortsregister), weniger die anderen vielen Mitteilungen (Vereinsnachrichten, Buchbesprechungen, Familientage, etc.) die die einzelnen Hefte enthalten und auch für die Genealogie und Geschichte in den betreffenden thürigischen Dörfern und Städten von Bedeutung sind.

Die „Thüringische Gesellschaft für Sippenkunde“ (TGS) wurde am 16.6.1935 in Neudietendorf als Landesverband genealogischer Vereine gegründet. Dieser Gründungsversammlung gingen einige aus heutiger Sicht unklare Vorgänge voraus. Es gab den „Volksbund deutscher sippenkundlicher Vereine“  und den „Reichsverein für Sippenforschung und Wappenkunde“ der erst 1934 gegründet worden war. Die Auflösung des letzteren hatte die Neugründung der TGS zur Folge. Es dürfte sich bei diesen Vorgängen um eine der damals bei allen Organisationen und Vereinen einsetzenden nationalsozialistischen „Gleichschaltungsmodalitäten“ gehandelt haben. Einige der Thüringer Vereine haben sich diesem ersten „Gleichschaltungsversuch“ nicht gebeugt, u. a. der „Erfurter Genealogische Abend“, wie auch Altenburg und Nordhausen.

So heißt es in einem Bericht von der II. Landestagung der TGS in Gera aus dem Jahre 1936, „Sollten sich trotzdem immer noch Eigenbrötler finden, die diese von der obersten Führung gewünschten Einheitsbestrebungen störten, so werde die Gauleitung Mittel und Wege zur Abhilfe finden.“. Der traditionsreiche Verein „Erfurter Genealogischer Abend“ trat der TGS erst im Januar 1939 bei. Die Erfurter Genealogen gaben nach wie vor ihre eigenen Publikationen heraus.

Die Veröffentlichungen aus der Zeit von 1933-1945 in der „Thüringer Sippe“ und anderen Publikationen genealogischer Vereine, sind meist getragen vom Bemühen der Genealogen ihre wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zu publizieren, um sie so einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Nach der „Gleichschaltung“ der Vereine (1935) zeigen einige Beiträge tendenziöse Richtungen zum Nationalsozialismus und seiner Rassentheorie. Von diesen Passagen in den betreffenden Aufsätzen muss man sich distanzieren.

Betrachtet man insgesamt die genealogischen und heimatgeschichtlichen Veröffentlichungen ohne dieses zeitlich tendenziöse „Beiwerk“, so handelt es sich um Ergebnisse seriöser Forschungen, auf die jeder Genealoge bei seinen eigenen Untersuchungen aufbauen kann. Wenn darüber hinaus durch Kriegseinwirkung die Originalquellen verloren gegangen sind, so sind die Ergebnisse dieser genealogischen Arbeiten, die durch Publikationen gesichert sind, wichtige Grundlagen der weiteren Forschung (s. z. B. im Stadtarchiv Nordhausen) [4]. Eine alte Weisheit in der Genealogie ist -Ergebnisse genealogischer Forschungen veralten nie-.

Kriegsbedingt wurde das Vereinsleben der genealogischen Verbände immer weniger bzw. die Arbeit hörte ganz auf. Mit dem Ende des Krieges lösten sich die meisten Vereine von selbst auf oder waren nicht mehr tätig. Die ehemaligen Mitglieder hatten andere Sorgen. Besonders in der späteren DDR mussten aus politischen Gründen die Genealogen Ihre Tätigkeit mehr im Verborgenen ausüben.

Nur wenige Exemplare der unterschiedlichen Publikationen der genealogischen Verbände sind vermutlich erhalten geblieben. So erscheint es als wichtig die Auflistung der publizierten Forschungsergebnisse mit dieser Inhaltsübersicht in Erinnerung zu rufen und den heutigen Forschern als weiteres Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen.

Eine genauere Durchsicht der Autoren der Aufsätze zeigt, dass eine stattliche Anzahl  der Forscher mehrfach mit Beiträgen hervortrat, so z. B. Robert Hänsel, Dr. Friedrich Bamler, Dr. Walter Schmidt-Ewald, um nur einige zu nennen. Bei Dr. Bamler handelt es sich um den Autor der „Bibliographie der Sippenkunde in Thüringen“. Zu Bamler schrieb sein Forscherfreund und Zeitgenosse, unser Ehrenmitglied, der verstorbene SR Dr. med. Hans-Joachim Kretschmar: „Wie Sie ja wissen ist die Dr. Bamlersche Bibliographie zur Sippenkunde in Thüringen bruchstückhaft und sollte vom ihm ergänzt und verbessert werden. Er ist darüber gestorben und seine Materialsammlung in zwei Waschkörben wurde von m. (einem) Freund Schumann in Gera übernommen. Dieser starb auch und eine Anfrage bei der Witwe ergab, dass man alle Unterlagen wegen Platzmangels (also die Inhalte der beiden Waschkörbe) vernichtet hat. [5]

Bei dieser Gelegenheit muss zum wiederholten Male darauf hingewiesen werden, dass die Sicherung unveröffentlichter genealogischer Materialien, die oft in lebenslanger Forschertätigkeit erarbeitet wurden, sehr wichtig ist, dass man vorher bestimmen muss, was damit geschieht (auch testamentarisch, man darf es auf keinen Fall der Willkürlichkeit der Erben überlassen [s. Bamler]).

Anmerkung: Durch die Lückenhaftigkeit der Originalhefte in den unterschiedlichen Archiven bzw. Bibliotheken, aus denen das Gesamtinhaltsverzeichnis zusammengestellt wurde, besteht die Möglichkeit, dass einige Beiträge nicht aufgeführt sind. Für die entsprechende Korrektur wäre ich dankbar.

Peter-Jürgen Klippstein, Erfurt 1991 [6] (2008)

[1] Ab 1939 fehlt im Titelblatt der Hinweis auf die Beilage zum „Thüringer Fähnlein“.

[2] So z.B. die „Thamsbrücker Ratslinie 1336-1800“ von Friedrich Mann, Thüringer Sippe, 1937 S. 145 ff.

[3] Der Schlüssel, Gesamtinhaltsverzeichnisse mit Ortsquellennachweisen für genealogische und historische Zeitschriftenreihen, Geleitet von Heinz Reise, Göttingen 1953, April, Heft 9.

[4]  Die genealogischen Bestände des Stadtarchivs Nordhausen und die archivarischen Unterlagen des genealogischen Vereins der Stadt, wurden z. großen Teil Opfer der Bombardierung. Lediglich eine genealogische Zettelkartei, aus dem Ende der 20er Jahre bis Anfang der 40er, sind von der Vereinsarbeit im Stadtarchiv vorhanden geblieben. (Brf. Dr. Kuhlbrodt –Leiter Stadtarchiv Nordhausen – an P.-J.K., vom 21.09.1990).

[5] Brf. Dr. Kretschmar an P.-J.K., vom 08.11.1990.

[6] Eine Veröffentlichung dieser Zusammenfassung war schon 1991 geplant, doch da erhielt ich Kenntnis von der Edition eines Gesamtinhaltsverzeichnisses im „Schlüssel“. Damals war ich der Ansicht eine Veröffentlichung genügt, hatte nicht bedacht, dass nur die Aufsätze in der Bearbeitung des Inhaltsverzeichnisses von Otto Steinwede einbezogen waren, der Gesamtinhalt der Thüringer Sippe wurde nicht beachtet. (PJK)

 

Die Inhaltsverzeichnisse:

Eichsfelder, Familienvater, Ingenieur, Genealoge, Fotograf und begeistert von allen alten und neuen Sachen Aktuelle Genealogie-Projekte: - OFBs im Gothaer Land: Seebergen, Grabsleben, Cobstädt, Gräfenhain, Günthersleben, Wechmar etc. - Herrmann´scher Familienverband http://genealogie-herrmann.de - Schuldiener-Datenbank Sachsen-Gotha http://geneathuer.de - Auswanderer-Datenbank Thüringen http://auswanderer-thueringen.de